Aus dem Leben eines jungen Vogelfängers

Erfahrungsbericht von Michael Zeppezauer, anlässlich des 50-jährigen Jubiläum der Vogelpfleger Bad Ischl, Rettenbach & Umgebung im Jahr 2017

20171016 Langwand 12Seit ich denken kann, nehmen die Vögel einen zentralen Platz in meinem Leben ein. Erblich vorbelastet bin ich durch meinen Vater. Er gab mir diese Leidenschaft mit und ich nahm diese dankbar an und das ohne jeden Zwang und Druck seinerseits.

Die Vögel in der Voliere interessierten und faszinierten mich schon immer. Eifrig half ich ihm bei der täglichen Fütterung. Natürlich interessierte mich auch, welche Sämereien ich für die Vögel pflücken muss. Umso stolzer war ich, wenn ich alleine einen schönen „Buschen“ gepflückt habe und das Gelernte umgesetzt habe.

Im zarten Alter von 3 Jahren konnte ich meinen Vater dazu bewegen, dass er mich endlich zum Vogelfang mitnimmt. Die Nächte waren für mich oft sehr kurz, da ich immer Angst hatte, dass der Wecker nicht läutet. So weckte ich meine Eltern mehrmals in der Nacht auf und fragte, wann es wohl endlich so weit sei.

In den frühen Morgenstunden, noch lange bevor die Sonne aufgeht, heißt es schließlich: Auf ins Gebirge! Auf den Forststraßen mit dem Moped und dann zu Fuß geht es auf einen der Fangplätze. Jeder von uns hat seine eigenen Fangplätze, welche meist weit abgelegen von Wanderwegen sind. Ein verletzungsfreier Fang wird durch die verwendeten Netzkloben gewährleistet. Diese werden auf Bäumen, Sträuchern oder „Knietln“ angebracht. In der Morgendämmerung wird in der unmittelbaren Nähe der Netzkloben, welche mit dem Lieblingsfutter des Vogels versehen sind, das jeweilige Vogelhäuschen mit dem Lockvogel platziert. Ein guter Lockvogel ist bei unserem Hobby besonders wichtig. Auch die Lage des Fangplatzes spielt eine wichtige Rolle.

Der Fang selbst ist meist mit großer Aufregung verbunden. Aus der unmittelbaren Umgebung, gut versteckt, wird mitgefiebert, wenn ein schönes Exemplar zum Fangplatz kommt. Wobei hier neben den vorher genannten Kriterien auch eine gewaltige Portion von Glück notwendig ist. Gelingt es einen schönen Vogel zu fangen, so ist die Freude riesig. Bei einem wirklich schönen Exemplar ertönt ein „Juchizer“ durchs Gebirge, damit jeder Vogelfänger in der Umgebung davon Notiz nimmt.

Im Laufe der Jahre habe ich so manchen Nervenkitzel miterlebt. Leider ist mir das Glück meist nicht sehr treu, aber hin und wieder fliegt es auch mir zu.

Neben dem Fangerlebnis nimmt man beim Vogelfang so einiges wahr. Alleine schon der Aufstieg zum Fangplatz kann sehr aufregend sein, vor allem dann, wenn man einer Gämse mitten ins Gesicht schaut, oder diese von oben herab Steine lostritt. Eine Mondscheinnacht, ein herrlicher Sonnenaufgang, aber auch am Beginn der Fangzeit, wenn die Hirschbrunft voll im Gange ist, gibt es immer wieder schöne Erlebnisse. Die Landschaft an sich, welche im Herbst in all ihrer Farbpracht in Erscheinung tritt. Es gibt so Vieles, was dieses Hobby so besonders für mich macht und was neben dem eigentlichen Ziel, einen schönen Vogel zu fangen, die Zeit in der Natur versüßt.

Man eignet sich sein Wissen über die Vögel und die Natur zum einen Teil selbst an, wenn man diese beobachtet und sich entsprechend damit beschäftigt. Ein großer Anteil des Wissens wird von den alten Vogelfängern an uns Jüngere weitergegeben. Gerne horche ich Johann Kefer sen. zu. Von ihm konnte und kann ich mir immer wieder einiges an Wissen aneignen. Walter Kneißl war meinem Vater ein hervorragender Lehrmeister. Auch ich konnte in jungen Jahren Einiges von ihm lernen. Leider ging er viel zu früh von uns. So Manches was er mir mitgab verstand ich erst richtig, als ich aktiv und alleine  - ohne meinen Vater - den Vogelfang ausüben durfte.

VolierIn den Vogelhütten sollen sich nicht nur die Vögel wohlfühlen, sondern auch wir Vogelfänger, deshalb sind sie liebevoll eingerichtet. Bei so Manchem findet eine Eckbank Platz, wenn nicht sogar ein ganzes Bett.

Meine Vogelhütte ist, so zu sagen, erst die 2. Saison in Betrieb. Nach einem Wohnort-Wechsel konnte ich Dank zahlreicher helfender Hände ein wunderschönes Vogelhaus schaffen. So bin ich jeden Tag rund eine Stunde bei meinen Vögeln, natürlich ist mein kleiner Sohn auch schon mit von der Partie. Vielleicht hat auch er diese Leidenschaft von mir im Blut.

Die Vögel versorgen wir im Winter neben Körnerfutter, mit Sämereien (Blumen, Disteln, Kräuter, Beeren, usw.), welche wir im Sommer bzw. im Herbst gesammelt und getrocknet haben. Für Fichtenzapfen ist ein Vorrat über mehrere Jahre anzulegen, da sie nicht jedes Jahr vorhanden sind und diese ganzjährig für eine artgerechte Vogelhaltung vorhanden sein müssen. Wenn frische Sämereien vorhanden sind, werden diese natürlich an die Vögel in ihrer Voliere verfüttert.

Im Frühjahr werden die Vögel wieder wohlbehalten der Natur zurückgegeben. Dieser Gang ist nicht gerade leicht, man gewöhnt sich rasch an einen gefiederten Freund. Wohlbehalten geht es für sie wieder zurück in die Natur. Der Spruch „im Leben sieht man sichDSCN4464 immer zweimal“ trifft hin und wieder auch hier zu, das weiß ich aus eigenen Kindheitserinnerungen und von anderen Vogelfängern.